Dominik Nostitz
 
Information
2001 als der mittlerweile Oscar prämierte Glen Hansard und Mic Christopher im Chelsea spielen lerne ich den Kulturaktivisten und Musiker Dominik Nostitz kennen, der Kontakt wird schon bald ausgebaut. 2002 beginnt der inzwischen diplomierte Jurist, einen Open-Space für Kultur und multinationale Begegnung im 8. Bezirk zu starten. Kultur und Integration dafür steht Dominik Nostitz, ob beim kuratieren eine MAK-Night anlässlich 40 Jahre Mondlandung inklusive einer "Sendung Ohne Namen" goes Mondlandung, nachdem diese vom ORF eingestellt worden war, oder Kunst im öffentlichen Raum, wie das Piaristengasse-Projekt. In dieser Stadt mit ihren "Schichten und Geschichten", da können einem schon die Füße einschlafen, und es wird so manches be- und verhindert, Leseturm, Expo irgendwer? Umso größer ist die Freude nach vielen Jahren von Entwürfen und ersten Demos, Dominiks Album "streets of domsongs" mit Kraft, Soul, Nuancen, Geist und Vielseitigkeit, Stil, Eleganz und Substanz zu erleben. Ein Debut wohlgemerkt, dass er unabhängig und allein mit seinen Weggefährten aus unterschiedlichen Neigungsgruppen und Himmelsrichtungen im schönen Casino Baumgarten eingespielt hat. Guter Wein will eben auch guten Boden, richtige Sonneneinstrahlung, die geeignete Menge Niederschlag, die richtigen Mineralsalze, und nach der sachkundigen Verarbeitung wird gerastet, gereift, gegärt, und herauskommt etwas organisch Gewachsenes Unverwechselbares mit feinsten Aromen, mit Langzeitwirkung etwas Wundervolles. "Brother" eröffnet diese eklektische Sammlung von Songs die auch als Sammlung von 3EPs betrachtet werden könnte, und nimmt die HöhrerIn gleich versöhnlich in den Arm. Ein älterer Bruder aus Irland lässt grüßen, der vintage Gitarrensound und später das Saxophon erinnern an große alte Van Morrison Nummern. Sehr soulig, elegant und sanft warnt Dominik uns Brüder und Schwestern auf den rechten Weg zurück, bei einer Pint of Guinness oder einer Tasse Tee gibt er uns so wie Dylan sagt "Shelter from the Storm" und richtet uns auf, denn es gab "frozen times" und es gibt "drops of poison in the haze", das Finale ist eine Klangwolke für Joe Zawinul. "Natural High", eine Zivilisation, die am liebsten Prozac dem Leitungswasser beimengen möchte um dem kollektiven Burnout zu entrinnen. "All you need is…", gutes Soulfood könnte ein Anfang sein. Der ausgebeutete Ursprungskontinent hat uns soviel zu geben, Dom lebt von dieser Quelle und treibt regen Kulturaustausch mit Afrika bei seinen Kulturprojekten und auch bei seinen Musikprojekten, für diesen Song wählt er als Duett-Partner die wunderschöne Stimme von Aladin Sani aus Nigeria, und die beiden huldigen der Lebensfreude auf mitreißende Art. Mit dem Blick auf ein Dächermeer in London entstand "The fortunate story oft he Magpie"; auszumachen sind ein Gefühl von leichtem Schweben und Wind, geradezu wird die Abendbrandung am Strand hörbar und ein Schwarm Möwen, der vorüberzieht. Zur Magie der Nummern tragen maßgeblich die souligen Backing Vocals von Patricia Aulitzky bei. Hinter dem "Gardensoulsong" schlägt ein Herz mit der Kraft einer mächtigen Dampflock und dazu versuch Dominik wie Alexis Zorbas zu tanzen, allerdings zu einem Akkordeon aus der Provence oder weit Donau abwärts. Wir bleibem am Strom. "Nameles #4" groovt langsam in einer schwülen Hitze einer Spannung entgegen, wie eine langsame späte Bad Seeds Nummer. Ob man es hier mit einem stolzen Raddampfer am Missippidelta zu tun hat, dessen Kessel zu keuchen beginnt, oder einem Geisterschiff der DDSG an der Mündung zum Schwarzen Meer bleibt der Phantasie überlassen. Die Reise geht weiter in einem Hinterhof, plötzlich öffnet sich ein Zeitfenster in die frühen 70er, in einem Proberaum rocken auf billigem Equipment Jungs in Lederklamotten und träumen von Ritchie Blackmore und den Doors unter einem gigantischen Mirrorball, aber ein Augenzwinkern ist vielleicht auch im Spiel die Nummer heißt schließlich "Little Star". "2028: suchen und senden" fängt erst Ãtherwellen aus der Zukunft auf, der schmerzlich vermisste Fm4-Morningshow Moderator Duncan Larkin broadcasting "Blue Danube Radio from the big gig in the sky" und ein End 30er, Kind der Straßen dieser Stadt, redet Tacheles. Der Kreisverkehr erfreut sich großer Beliebtheit zur Verkehrsberuhigung, doch wo will sie hin die Geschichte unserer Stadt? Im Down-Tempo vorwärts, unvollendet verharren so wie die Kathedrale in ihrem Herzen, Glanz und verstaubte Glorie, Metropole die Schule eines Diktators war, "Hintertüren, verführen",oder doch set the controls for Zukunft, "drehen und wenden" . Im Wordrap arbeitet er sie ab die "Schichten und Geschichten" und will "suchen und senden" und bleibt dabei geschmeidig obwohl er die Komfortzone verlässt. Markant Franz Hautzingers Trompete mal hip dann hop aber immer free. Im Fadeout dann nochmal die Nachrichten aus der Zukunft, Goldberger hat den ÖSV übernommen, die Franzosen machen uns das Leben mit Wunderwachs schwer, Keith Richards hatte einen "kleinen Eingriff" und ist daher etwas müde. Im Freud Jahr schrieb Dominik den Pianosong, "Das Wesentliche liegt zum Teil im Traum". Vielleicht eine Day-After Glückspille für unsere nördlichen Nachbarn, wenn demnächst die Koller Buben der Löw-Truppe ein Bein stellen, man wird doch noch träumen dürfen. "Mein kleines Leben" ist ein langsamer Akkordeon unterlegter Crossover von Slacker-Blues und Wienerlied. Ob die Zeile "im Rückwertsgang nach Stegersbach" Ex-Teamchef Hickersberg gewidmet ist, wurde nicht überliefert. "Benjala" ist die große von Streichern getragene Ballade am Klavier, die ein Vater seinem Kind singt und jedes Wort ist lebendig. Die Musik auf "streets of domsongs" ist "forever young", denn sie ist zeitlos produziert und klingt nicht schon übermorgen nach dem Tontechniktrend von vorgestern. Die illustre Schar, featuring Jakob Schneidewind am Bass und Berni Hammer an Guitarre und Effects von den much loved Elektro Guzzi, die Dominik über die Jahre auch über seinen Kulturraum um sich versammelt hat, gibt jedem Song ein unverwechselbares passendes Zuhause, so entstanden ganz unterschiedliche Klangräume, die das ganze Album zu einer Reise werden lassen. Diese im DIY Verfahren zusammengestellte musikalische Expedition verdient unseren Respekt und unser Gehör denn sie beweist einmal mehr, was für eine universelle Sprache Musik sein kann. Joe Streibl

Gründungsjahr
  • 2001
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