Ein Plädoyer für die Quote

22.11.2011 in Österreichische Themen
Ganz Europa steckt in der Krise und in allen Staaten werden Lösungen gesucht und Sparpakete geschnürt. Es gilt, innovative und mutige Konzepte zu finden, um ein stabiles Fundament für die weitere Entwicklung der Wirtschaft zu schaffen. Eine Möglichkeit, in Österreich rasch und vor allem völlig kostenneutral 250 Arbeitsplätze zu schaffen oder zumindest zu sichern, ist „DIE QUOTE“.

Ohne Kosten Arbeitsplätze sichern

Ganz Europa steckt in der Krise und in allen Staaten werden Lösungen gesucht und Sparpakete geschnürt. Es gilt, innovative und mutige Konzepte zu finden, um ein stabiles Fundament für die weitere Entwicklung der Wirtschaft zu schaffen. Eine Möglichkeit, in Österreich rasch und vor allem völlig kostenneutral 250 Arbeitsplätze zu schaffen oder zumindest zu sichern, ist „DIE QUOTE“. Damit gemeint, ist ein verpflichtender Anteil an gesendeter Musik von österreichischen Urhebern in den ORF Radios. Der durchschnittliche Anteil an jeweils heimischer Musik liegt in Europa laut Musikergilde bei etwa 40%.

Eine Quote könnte nicht nur das kaum vorhandene, musikalische Selbstbewusstsein der österreichischen Musiklandschaft stärken, sondern diese auch auf gesunde, wirtschaftliche Beine stellen. Kurzfristig bekommen die österreichischen Urheber durch die Quote einen höheren Anteil aus den Lizenzerträgen, die der ORF jährlich an die AKM zu leisten hat. Mittelfristig erhöht der verstärkte Airplay den Bekanntheitsgrad der gesendeten Musikgruppen und damit die Nachfrage nach Live-Konzerten. Langfristig bilden sich nachhaltige, inländische Wertschöpfungsketten, welche zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Laut AKM Jahresbericht für 2010 betrugen die Lizenzerträge aus dem ORF-Vertrag rund 20,5 Millionen EUR. Schließt man das ORF-Fernsehen in die Quote ein (was natürlich Sinn macht und noch einfacher umzusetzen wäre), so würden bei einer Quote von 40% etwa 8 Millionen EUR an inländische Urheber fließen. Rechnet man mit einem durchschnittlichen Bruttomonatsgehalt von 2300 EUR, so können alleine über diesen Betrag 250 Arbeitsplätze finanziert werden.

Nachdem die Musikindustrie nicht nur aus Autoren, Komponisten und Musikverlagen besteht, wären von den neuverteilten Lizenzausschüttungen und den dadurch ausgelösten Wertschöpfungsketten auch viele andere Berufsgruppen/ Branchen betroffen. Hier seien nur einige exemplarisch aufgezählt: Tonstudios, Plattenlabels, Grafiker, Werbeagenturen, Instrumentenbauer, Lokalbesitzer, Elektrofachhandel, Fotografen, Künstlervermittler, PA- und Lichtverleiher, Getränkehersteller, Getränkehandel, Postdienstleister, usw. Als positiver Nebeneffekt profitierten wahrscheinlich primär kleine und mittlere Unternehmen, die diesen zusätzlichen Umsatz bitter nötig hätten.

Ich persönlich bin der Meinung, dass der ORF sogar die Pflicht hätte, seine Zuhörer und Zuseher regelmäßig über die Entwicklung am heimischen U-Musiksektor zu informieren. Das gehört für mich zum öffentlich-rechtlichen Auftrag. Punkt. Doch selbst, wenn man das nicht so sähe, sind die positiven, wirtschaftlichen Effekte nicht zu leugnen. Einfach gesagt: Der ORF bzw. die Politik kann von heute auf morgen entscheiden, ob 20 Millionen EUR ohne nennenswerten Effekt ins Ausland fließen oder im Inland eine Wertschöpfungskette anstoßen, die letztlich auch zu mehr Steuereinnahmen führt. Also ich würde bei letzterer Variante meine GIS-Rechnung etwas lieber zahlen, als ich das heute mache. Und Sie?

Weiterführende Links: http://www.sos-musikland.at/ http://www.musikergilde.at

Mag.(FH) Christian Wagner ist seit 2010 ein gewähltes Mitglied der Fachvertretung Film- und Musikindustrie NÖ in der WKNÖ. Der Ternitzer Unternehmer betreibt seit 2008 eine Künstlervermittlung und das Dialektmusik-Label „EIFFELBAUM RECORDS“ (www.eiffelbaum.com). Im Berufsgruppenausschuss Musikwirtschaft des Fachverbandes der Film- und Musikindustrie vertritt Wagner die Interessen der österreichischen Klein- und Kleinstlabels.

Dieser Text ist die persönliche Meinung des Autors. Autor: Christian Wagner